Eine neue wissenschaftliche Studie hat Hinweise darauf gefunden, dass Menschen, die regelmäßig spät ins Bett gehen, häufiger unter Einsamkeit, Angstzuständen und einer schlechteren psychischen Gesundheit leiden. Die Ergebnisse wurden auf der Jahrestagung SLEEP 2026 in den USA vorgestellt und sorgen bereits für großes Interesse in der Forschungsgemeinschaft.
Die Wissenschaftler betonen, dass nicht nur die Schlafenszeit selbst eine Rolle spielt. Besonders die sogenannte nächtliche Einsamkeit scheint ein entscheidender Faktor zu sein, der die Verbindung zwischen spätem Schlafengehen und psychischen Belastungen erklären könnte.
Abendmenschen berichten häufiger von psychischen Problemen
Die Untersuchung konzentrierte sich auf Menschen mit einem sogenannten Abendchronotyp. Darunter versteht man Personen, die natürlicherweise später einschlafen und morgens lieber länger schlafen würden.
Die Ergebnisse zeigen, dass diese Menschen häufiger über folgende Probleme berichten:
- Höhere allgemeine Einsamkeit
- Verstärkte Einsamkeitsgefühle in den Nachtstunden
- Mehr Angstzustände
- Schlechtere psychische Gesundheit
- Geringeres Wohlbefinden im Alltag
Besonders auffällig war, dass die Teilnehmer mit spätem Schlafrhythmus deutlich häufiger unter nächtlicher Einsamkeit litten als Menschen mit einem früheren Schlafmuster.
Was ist ein Chronotyp?
Der Chronotyp beschreibt den natürlichen biologischen Schlaf-Wach-Rhythmus eines Menschen. Er beeinflusst, wann wir uns am leistungsfähigsten fühlen und zu welcher Tageszeit unser Körper Schlaf bevorzugt.
Grundsätzlich unterscheiden Experten zwischen:
Morgentypen
- Stehen früh auf
- Sind morgens besonders produktiv
- Werden am Abend schneller müde
Abendtypen
- Gehen später schlafen
- Haben abends oft mehr Energie
- Fühlen sich morgens häufig müde
Ein Abendtyp zu sein ist grundsätzlich nicht problematisch. Schwierigkeiten entstehen jedoch oft dadurch, dass Schule, Arbeit und gesellschaftliche Verpflichtungen überwiegend auf frühe Tageszeiten ausgerichtet sind.
Die Rolle der nächtlichen Einsamkeit
Ein zentrales Ergebnis der Studie betrifft das Gefühl der Einsamkeit während der Nacht.
Viele Menschen sind in den späten Abendstunden oder nachts wach, während Freunde, Familienmitglieder und Kollegen bereits schlafen. Dadurch entsteht häufig das Gefühl, von der Außenwelt abgeschnitten zu sein.
Die Forscher fanden heraus, dass Personen mit spätem Schlafrhythmus häufiger folgende Erfahrungen machen:
- Gefühl sozialer Isolation
- Grübeln in den Nachtstunden
- Negative Gedanken
- Erhöhte Nervosität
- Verstärkte Sorgen und Ängste
Interessanterweise zeigte die Analyse, dass die direkte Verbindung zwischen spätem Schlafengehen und Angstzuständen deutlich schwächer wurde, sobald die nächtliche Einsamkeit berücksichtigt wurde. Dies deutet darauf hin, dass Einsamkeit ein entscheidender Vermittler zwischen Schlafrhythmus und psychischer Gesundheit sein könnte.
Forscher erklären die Ergebnisse
Studienleiter Alec Harlow von der Brigham Young University in Utah erklärte, dass Menschen mit späteren Schlafmustern häufig deshalb schlechtere psychische Gesundheitswerte aufweisen, weil sie verstärkt Einsamkeit erleben.
Besonders die nächtliche Einsamkeit spiele eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von Angstgefühlen. Die Ergebnisse zeigen laut Harlow, dass sowohl soziale Erfahrungen am Tag als auch in der Nacht berücksichtigt werden müssen, wenn man die psychische Gesundheit von Abendmenschen verstehen möchte.
So wurde die Studie durchgeführt
An der Untersuchung nahmen insgesamt 442 Personen teil. Die Teilnehmer wurden über die Online-Plattform Prolific rekrutiert und füllten verschiedene wissenschaftliche Fragebögen aus.
Dabei wurden unter anderem erfasst:
- Individueller Chronotyp
- Ausmaß nächtlicher Einsamkeit
- Angstniveau
- Allgemeine psychische Gesundheit
Anschließend werteten die Forscher die Daten mit statistischen Modellen aus, um die Zusammenhänge zwischen Schlafverhalten, Einsamkeit und Angstzuständen genauer zu untersuchen.
Warum späte Schlafenszeiten problematisch sein können
Experten nennen mehrere Gründe, warum Menschen mit spätem Schlafrhythmus häufiger psychische Belastungen erleben könnten.
Soziale Isolation
Viele soziale Aktivitäten finden tagsüber statt. Wer bis spät in die Nacht wach bleibt und morgens länger schläft, kann sich von den Tagesabläufen anderer Menschen entfremden.
Schlafmangel
Viele Abendtypen müssen trotz ihrer biologischen Veranlagung früh aufstehen. Dies kann langfristig zu Schlafdefiziten führen.
Mehr Zeit zum Grübeln
Nachts herrscht oft Ruhe. Dadurch haben belastende Gedanken und Sorgen mehr Raum, was Angstgefühle verstärken kann.
Gesellschaftlicher Druck
Wer ständig gegen seinen natürlichen Schlafrhythmus leben muss, erlebt häufiger Stress und Erschöpfung.
Schlaf bleibt ein wichtiger Gesundheitsfaktor
Die American Academy of Sleep Medicine weist darauf hin, dass ausreichender und qualitativ hochwertiger Schlaf für die Gesundheit unverzichtbar ist.
Ein gesunder Schlaf unterstützt:
- Das Immunsystem
- Die Konzentrationsfähigkeit
- Die emotionale Stabilität
- Das Herz-Kreislauf-System
- Die psychische Gesundheit
Neben der Schlafdauer spielen auch Regelmäßigkeit und Schlafqualität eine entscheidende Rolle.
Mögliche Lösungen für „Nachteulen“
Die Forscher sehen in der Bekämpfung von Einsamkeit einen möglichen Ansatzpunkt, um die psychische Gesundheit von Abendtypen zu verbessern.
Empfohlen werden unter anderem:
- Regelmäßige soziale Kontakte
- Gespräche mit Freunden oder Familie
- Psychologische Unterstützung bei anhaltender Einsamkeit
- Feste Schlafenszeiten
- Weniger Bildschirmzeit vor dem Schlafengehen
- Bewusste Tagesstruktur
Insbesondere Menschen, die regelmäßig unter Einsamkeit oder Angstzuständen leiden, sollten professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.
Die neue Studie liefert weitere Hinweise darauf, dass spätes Schlafengehen mit einer schlechteren psychischen Gesundheit verbunden sein kann. Dabei scheint vor allem die nächtliche Einsamkeit eine entscheidende Rolle zu spielen.
Menschen mit einem Abendchronotyp sind nicht automatisch psychisch belastet. Dennoch zeigen die Ergebnisse, dass soziale Isolation in den Nachtstunden das Risiko für Angstgefühle und andere psychische Probleme erhöhen könnte.
Die Forscher hoffen, dass ihre Erkenntnisse dazu beitragen, neue Ansätze zur Förderung der psychischen Gesundheit von Millionen Abendmenschen weltweit zu entwickeln.

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