Europa erlebt seit Jahren eine deutliche Zunahme schwerer Waldbrände. Längere Trockenperioden, hohe Temperaturen und ausgedehnte Hitzewellen erhöhen das Risiko großflächiger Feuer erheblich. Besonders Länder wie Spanien, Portugal, Frankreich, Griechenland und Italien kämpfen regelmäßig mit verheerenden Bränden, die Menschenleben gefährden, Häuser zerstören und wertvolle Naturräume vernichten.
Vor diesem Hintergrund rücken zunehmend sogenannte naturbasierte Lösungen in den Mittelpunkt. Anstatt ausschließlich auf technische Brandschutzmaßnahmen oder künstlich angelegte Brandschneisen zu setzen, fördern verschiedene Projekte die Rückkehr großer Pflanzenfresser in bestimmte Landschaften. Pferde, Rinder oder Wasserbüffel sollen dabei helfen, brennbares Pflanzenmaterial auf natürliche Weise zu reduzieren und Wälder langfristig widerstandsfähiger gegen Feuer zu machen.
2025 war eines der schwersten Waldbrandjahre Europas
Nach Angaben des European Forest Fire Information System (EFFIS) war das Jahr 2025 das bislang schwerste Waldbrandjahr seit Beginn der Aufzeichnungen.
Allein in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union verbrannte mehr als eine Million Hektar Fläche. Hinzu kamen ähnlich große Brandflächen in weiteren europäischen Ländern.
Besonders betroffen waren:
- Portugal
- Spanien
- Frankreich
- Griechenland
- Italien
- Zypern
- Türkei
- Ukraine
- Teile Großbritanniens
Die außergewöhnlich trockenen Wetterbedingungen sowie häufige Hitzewellen führten dazu, dass sich Brände vielerorts besonders schnell ausbreiteten.
Große Pflanzenfresser als natürliche Brandhelfer
Vor diesem Hintergrund setzt die Europäische Umweltagentur verstärkt auf sogenannte naturbasierte Maßnahmen.
Eine wichtige Rolle spielen dabei große Pflanzenfresser wie Pferde oder Rinder.
Während Pferde überwiegend Gras kurz halten, fressen Rinder zusätzlich Sträucher, junge Bäume und dichtes Buschwerk. Dadurch entsteht deutlich weniger leicht entzündliches Pflanzenmaterial, das als Brennstoff für Waldbrände dienen kann.
Zugleich lockern die Tiere den Boden auf und schaffen abwechslungsreiche Landschaften mit Wiesen, offenen Flächen und lockerem Baumbestand.
Dadurch entstehen natürliche Unterbrechungen, die die Ausbreitung eines Feuers verlangsamen können.
Projekt in Spanien zeigt erste Erfolge
Ein besonders bekanntes Beispiel befindet sich im sogenannten Iberischen Hochland in Spanien.
Dort zerstörte ein verheerender Waldbrand im Jahr 2005 rund 13.000 Hektar Wald. Elf Einsatzkräfte kamen damals ums Leben.
Heute verfolgt die Organisation Rewilding Spain einen anderen Ansatz.
In der Provinz Guadalajara wurden insgesamt 83 Taurus-Rinder und Serrano-Pferde angesiedelt.
Bereits nach wenigen Jahren konnten Veränderungen beobachtet werden.
Die Tiere reduzieren die Höhe des Buschwerks, entfernen junge Kiefern und fördern gleichzeitig das Wachstum heimischer Eichen sowie artenreicher Grasflächen.
Dadurch entstehen offene Landschaften mit deutlich geringerem Brandpotenzial.
Warum offene Landschaften Brände bremsen
Dichte Wälder mit trockenem Unterholz bieten Feuer ideale Bedingungen.
Je mehr trockenes Gras, Sträucher oder abgestorbene Äste vorhanden sind, desto schneller kann sich ein Brand ausbreiten.
Offene Landschaften mit unterschiedlichen Vegetationsformen wirken dagegen wie natürliche Barrieren.
Da Pflanzenfresser ständig neues Wachstum aufnehmen, entsteht weniger leicht entzündliches Material.
Dadurch sinkt nicht nur das Risiko einer schnellen Brandausbreitung, sondern häufig auch die Intensität möglicher Feuer.
Weitere Rewilding-Projekte in Europa
Nicht nur Spanien setzt auf diese Strategie.
Auch in anderen europäischen Ländern laufen vergleichbare Projekte.
Portugal
Im Greater-Côa-Tal grasen Sorraia-Pferde auf großen Flächen.
Sie helfen dabei, natürliche Weidelandschaften zu erhalten, Brandrisiken zu reduzieren und gleichzeitig seltene Tier- und Pflanzenarten zu fördern.
Irland
Auf einem rund 300 Hektar großen Gelände wurde die intensive Landwirtschaft eingestellt.
Seitdem entwickelte sich dort eine deutlich größere Artenvielfalt.
Unter anderem kehrten Buntspechte, Fischotter, Rotmilane und Baummarder zurück.
Ukraine
Bereits 2019 wurden Wasserbüffel auf der Insel Ermakow angesiedelt.
Die Tiere öffnen dichte Schilf- und Gebüschflächen und schaffen dadurch Lebensräume für Amphibien, Insekten und zahlreiche Fischarten.
Trotz der schwierigen Lage im Land entwickelte sich die Population erfolgreich weiter.
Deutschland
Auch in Deutschland existieren mehrere Rewilding-Projekte.
Im Rothaargebirge wurden Wisente wieder angesiedelt.
In der Döberitzer Heide leben unter anderem Wisente, Przewalski-Pferde und Rotwild auf großen Wildnisflächen.
Zudem haben sich Wolf und Biber in vielen Regionen Deutschlands wieder dauerhaft etabliert.
Mehr Artenvielfalt als zusätzlicher Vorteil
Die Projekte verfolgen nicht ausschließlich den Brandschutz.
Natürliche Weidesysteme fördern gleichzeitig die Biodiversität.
Unterschiedliche Pflanzenarten finden bessere Wachstumsbedingungen, wodurch wiederum Insekten, Vögel und andere Wildtiere profitieren.
Auch Böden können Wasser besser speichern, was insbesondere während längerer Trockenphasen von Bedeutung ist.
Fachleute sehen deshalb in Rewilding nicht nur eine Maßnahme gegen Waldbrände, sondern auch einen wichtigen Beitrag zum Naturschutz und zur Anpassung an den Klimawandel.
Nicht alle sehen die Projekte positiv
Trotz der positiven Ergebnisse bleibt Rewilding umstritten.
Landwirtschaftliche Verbände kritisieren, dass für Renaturierungsprojekte teilweise landwirtschaftliche Nutzflächen aufgegeben werden.
Dadurch könnten Arbeitsplätze verloren gehen und ländliche Regionen wirtschaftlich unter Druck geraten.
Auch Konflikte mit Wildtieren sorgen immer wieder für Diskussionen.
In Schottland führten beispielsweise wiederangesiedelte Biber zu Überschwemmungen auf landwirtschaftlichen Flächen.
Ein Teil der Tiere musste deshalb später entnommen werden.
Langfristige Forschung weiterhin notwendig
Wissenschaftler weisen zudem darauf hin, dass viele Rewilding-Projekte noch vergleichsweise jung sind.
Langfristige wissenschaftliche Daten über ihre Wirkung auf Waldbrände liegen bislang nur begrenzt vor.
Eine im Jahr 2023 veröffentlichte Studie kam zu dem Ergebnis, dass zahlreiche Projekte zwar vielversprechend erscheinen, belastbare Langzeituntersuchungen jedoch noch fehlen.
Daher fordern Experten eine kontinuierliche wissenschaftliche Begleitung, um Chancen und mögliche Risiken besser bewerten zu können.
Naturbasierte Lösungen gewinnen an Bedeutung
Trotz bestehender Diskussionen wächst in Europa das Interesse an naturbasierten Schutzmaßnahmen.
Angesichts zunehmender Hitzewellen, längerer Trockenperioden und steigender Waldbrandgefahr suchen viele Länder nach nachhaltigen Strategien, die langfristig wirken.
Große Pflanzenfresser könnten dabei künftig eine wichtige Ergänzung zu klassischen Brandschutzmaßnahmen darstellen.
Sie ersetzen zwar weder Feuerwehren noch technische Präventionsmaßnahmen, können aber helfen, Landschaften widerstandsfähiger zu gestalten und das Risiko großer Waldbrände zu verringern.
Die zunehmende Waldbrandgefahr stellt Europa vor große Herausforderungen. Projekte mit Wildpferden, Taurus-Rindern, Wasserbüffeln oder Wisenten zeigen, dass natürliche Weidesysteme einen Beitrag zur Verringerung von brennbarem Pflanzenmaterial leisten können. Gleichzeitig fördern sie die Artenvielfalt und unterstützen die Entwicklung widerstandsfähiger Ökosysteme.
Ob sich Rewilding langfristig als wirksames Instrument des Waldbrandschutzes etabliert, wird weitere wissenschaftliche Forschung zeigen. Schon heute gilt jedoch: Naturbasierte Lösungen gewinnen in der europäischen Umweltpolitik zunehmend an Bedeutung und ergänzen klassische Maßnahmen im Kampf gegen die Folgen des Klimawandels.
