Elefantenkalb im Tiergarten Schönbrunn sucht Abkühlung: Jungtier entdeckt Wasser, Schlamm und Sand während der Hitzewelle

Die anhaltende Hitzewelle stellt nicht nur für Menschen eine Belastung dar, sondern auch für Tiere. Im Tiergarten Schönbrunn in Wien nutzen die Afrikanischen Elefanten Wasser, Schlamm und Sand, um sich abzukühlen und ihre Haut zu schützen. Besonders das fast einjährige Elefantenkalb entdeckt dabei immer selbstständiger das natürliche Verhalten seiner Herde.

Hitzewelle fordert auch Tiere heraus

Die hohen Temperaturen, die derzeit weite Teile Mitteleuropas prägen, stellen Zoos vor besondere Herausforderungen. Während viele Menschen nach Schatten, Seen oder klimatisierten Räumen suchen, benötigen auch Tiere geeignete Möglichkeiten, um ihren Körper vor Überhitzung zu schützen.

Im Tiergarten Schönbrunn gehören regelmäßige Duschen, Wasserbecken sowie Schlamm- und Sandflächen deshalb zum täglichen Management während heißer Sommertage. Besonders für Afrikanische Elefanten sind diese natürlichen Abkühlungsmöglichkeiten von großer Bedeutung.

Die Tiere verbringen bei hohen Temperaturen viel Zeit im Wasser oder bedecken ihren Körper mit Schlamm und Sand. Dieses Verhalten dient nicht nur der Abkühlung, sondern erfüllt gleichzeitig wichtige Funktionen für die Gesundheit der Haut.

Wasser, Schlamm und Sand als natürlicher Schutz

Nach Angaben des Tiergartens entspricht dieses Verhalten dem natürlichen Lebensstil freilebender Afrikanischer Elefanten. Wasser hilft dabei, die Körpertemperatur zu regulieren, während eine Schicht aus Schlamm oder Sand die Haut vor intensiver Sonneneinstrahlung schützt.

Darüber hinaus wirkt die Schlammschicht wie eine natürliche Barriere gegen Insekten, die besonders während warmer Sommermonate aktiv sind. Nachdem der Schlamm trocknet, löst er sich gemeinsam mit abgestorbenen Hautpartikeln wieder ab und unterstützt dadurch die natürliche Hautpflege.

Tiergartendirektor Stephan Hering-Hagenbeck erklärte, dass die Elefanten im Zoo Wasser, Schlamm und Sand genauso nutzen wie ihre Artgenossen in freier Wildbahn. Dieses Verhalten gehöre zu den wichtigsten Bestandteilen ihrer täglichen Pflege.

Elefantenkalb lernt von den erwachsenen Tieren

Besondere Aufmerksamkeit gilt derzeit dem jungen Elefantenbullen, der sich zunehmend an den Aktivitäten der erwachsenen Tiere beteiligt. Das Jungtier beobachtet seine Familienmitglieder aufmerksam und versucht deren Verhalten nachzuahmen.

Vor allem beim Baden zeigt sich, wie neugierig der kleine Elefant seine Umgebung erkundet. Immer häufiger wagt er sich selbstständig weiter ins Wasser und sammelt dabei neue Erfahrungen.

Auch die Hautpflege übernimmt das Kalb Schritt für Schritt. Es beobachtet genau, wie die älteren Tiere mit ihrem Rüssel Sand aufnehmen und auf ihren Rücken werfen.

Nachahmung als wichtiger Teil der Entwicklung

Wie bei vielen sozial lebenden Tierarten spielt Lernen durch Beobachtung auch bei Elefanten eine zentrale Rolle. Jungtiere eignen sich zahlreiche Fähigkeiten an, indem sie das Verhalten älterer Tiere wiederholen.

Tierpflegerin Jenny Bukowski beschreibt, dass das Elefantenkalb besonders seinen Vater aufmerksam beobachtet. Wenn dieser Sand mit dem Rüssel auf seinen Rücken wirft, versucht das Jungtier dieselbe Bewegung unmittelbar nachzumachen.

Noch gelinge dies nicht vollkommen, doch das Kalb mache täglich Fortschritte und werde immer geschickter im Umgang mit seinem Rüssel. Diese Entwicklung gilt als normal und zeigt die zunehmende motorische Kontrolle des jungen Elefanten.

Fast ein Jahr alt und bereits rund 400 Kilogramm schwer

Am 20. August wird der junge Elefantenbulle seinen ersten Geburtstag feiern. Trotz seines jungen Alters bringt das Tier bereits rund 400 Kilogramm auf die Waage.

Elefanten wachsen in den ersten Lebensjahren besonders schnell. Bereits wenige Monate nach der Geburt entwickeln sie deutlich mehr Kraft und verbessern kontinuierlich ihre Koordination.

Dennoch bleiben sie weiterhin stark auf den Schutz und die Orientierung innerhalb ihrer Familiengruppe angewiesen. Das gemeinsame Baden, Spielen und Lernen trägt wesentlich zur sozialen Entwicklung bei.

Warum Schlamm für Elefanten so wichtig ist

Schlammbäder gehören bei Elefanten zu den wichtigsten natürlichen Verhaltensweisen. Anders als viele andere Säugetiere besitzen Elefanten nur wenige Schweißdrüsen und können ihre Körpertemperatur deshalb nicht allein durch Schwitzen regulieren.

Wasser sorgt zunächst für direkte Abkühlung. Anschließend bildet getrockneter Schlamm eine isolierende Schicht auf der Haut. Diese reduziert die direkte Sonneneinstrahlung und schützt gleichzeitig vor Insektenstichen.

Auch Sand erfüllt ähnliche Aufgaben. Er wirkt wie ein natürlicher Sonnenschutz und unterstützt zusätzlich die Reinigung der Haut.

Aus diesem Grund achten zoologische Einrichtungen darauf, ihren Elefanten ausreichend Wasserflächen sowie geeignete Bereiche für Schlamm- und Sandbäder zur Verfügung zu stellen.

Tiergärten passen Betreuung an hohe Temperaturen an

Während Hitzeperioden werden in vielen Zoos zusätzliche Maßnahmen umgesetzt, um den Tieren angenehme Bedingungen zu bieten. Dazu gehören häufigere Duschen, größere Wassermengen, schattige Rückzugsorte sowie angepasste Fütterungszeiten.

Pfleger beobachten dabei das Verhalten der Tiere besonders aufmerksam. Ziel ist es, Anzeichen von Hitzestress frühzeitig zu erkennen und geeignete Maßnahmen zu ergreifen.

Für Besucher bieten solche Tage gleichzeitig die Möglichkeit, Tiere bei Verhaltensweisen zu beobachten, die sie auch in ihrem natürlichen Lebensraum zeigen würden.

Natürliche Verhaltensweisen stehen im Mittelpunkt

Moderne zoologische Einrichtungen legen zunehmend Wert darauf, Tiere in einer Umgebung zu halten, die möglichst viele natürliche Verhaltensweisen ermöglicht. Dazu gehören Beschäftigungsmöglichkeiten ebenso wie Wasserflächen, Sandbereiche und ausreichend Platz.

Gerade bei intelligenten und sozial lebenden Arten wie Elefanten gilt das Beobachten und Nachahmen innerhalb der Herde als wichtiger Bestandteil der Entwicklung.

Das junge Elefantenkalb im Tiergarten Schönbrunn zeigt derzeit eindrucksvoll, wie schnell Jungtiere solche Verhaltensweisen übernehmen. Mit jedem Tag bewegt es sich sicherer im Wasser, verbessert den Umgang mit seinem Rüssel und lernt von den erwachsenen Tieren, wie sie sich während heißer Sommertage abkühlen und ihre Haut pflegen.