Freiburg beantragt Armee-Hilfe: Helikopter sollen Wasser zu Alpen transportieren

Der Kanton Freiburg hat wegen der anhaltenden Dürre Unterstützung der Schweizer Armee beantragt, um die Wasserversorgung auf abgelegenen Alpweiden sicherzustellen. Bis Ende August sollen Militärhelikopter Wasser zu schwer zugänglichen Alpen fliegen, damit die Versorgung des Viehs gewährleistet bleibt und größere wirtschaftliche Folgen für die Landwirtschaft vermieden werden.

Anhaltende Dürre zwingt Behörden zu außergewöhnlichen Maßnahmen

Die anhaltende Trockenheit stellt den Kanton Freiburg vor erhebliche Herausforderungen. Nach Angaben der kantonalen Behörden haben die außergewöhnlich trockenen Wetterbedingungen inzwischen ein Ausmaß erreicht, das mit den Dürrejahren 1976 und 2003 verglichen wird.

Um die Wasserversorgung auf hoch gelegenen Alpweiden sicherzustellen, werden bereits seit dem 28. Juli Wassertransporte per Helikopter durchgeführt. Diese Einsätze erfolgen derzeit durch die Swiss Helicopter AG. Aufgrund der steigenden Nachfrage reichen die vorhandenen Transportkapazitäten jedoch nicht mehr aus.

Deshalb hat der Freiburger Staatsrat beschlossen, zusätzliche Unterstützung durch die Schweizer Armee zu beantragen.

Militärhelikopter sollen bis Ende August Wasser liefern

Am Montag stellte der Staatsrat offiziell ein Gesuch beim Einsatzkommando der Schweizer Armee.

Geplant ist, dass Militärhelikopter bis zum 31. August 2026 Wasser zu sämtlichen Alpen transportieren, die auf dem Straßenweg nicht erreichbar sind. Grundlage für den Einsatz bildet die Verordnung über die militärische Hilfe bei Katastrophen im Inland.

Mit dieser Maßnahme soll verhindert werden, dass sich die Versorgungslage für zahlreiche Landwirtschaftsbetriebe weiter verschlechtert.

Wasserreserven auf mehreren Alpen nahezu erschöpft

Besonders betroffen sind nach Angaben des Kantons die Bezirke Vevey, Greyerz und Sense.

Dort sind die Wasserreserven für das Vieh auf zahlreichen Alpen inzwischen nahezu aufgebraucht. Die Behörden sprechen von einer außergewöhnlichen Situation und haben deshalb einen Sonderzustand ausgerufen.

Nach Angaben des Kantons könnte eine ausbleibende Wasserversorgung erhebliche Folgen für das Tierwohl haben.

„Können die Alpen nicht rasch mit Wasser versorgt werden, leidet das Wohl der Tiere. Im schlimmsten Fall ist ihr Leben gefährdet“, erklärten die Behörden.

Vorzeitiger Alpabtrieb als mögliche Folge

Sollte die Wasserversorgung nicht rechtzeitig sichergestellt werden können, müssten zahlreiche Alpbewirtschafter ihre Tiere vorzeitig ins Tal oder auf tiefer gelegene Sommerweiden bringen.

Ein solcher Alpabtrieb hätte jedoch weitreichende Konsequenzen.

Zum einen würde der Wasserbedarf in tieferen Regionen deutlich steigen. Gleichzeitig könnte dort das vorhandene Futterangebot nicht mehr ausreichen, um alle Tiere zu versorgen.

Darüber hinaus hätte eine vorzeitige Rückkehr der Herden wirtschaftliche Auswirkungen auf die traditionelle Alpwirtschaft und die Käseproduktion, die in vielen Regionen des Kantons eine wichtige Rolle spielt.

Auswirkungen auf Landwirtschaft und Käseproduktion

Die Freiburger Alpen zählen zu den bedeutenden Weidegebieten der Schweizer Landwirtschaft.

Während der Sommermonate verbringen zahlreiche Rinder ihre Zeit auf den Alpen, wo sie einen wesentlichen Beitrag zur Produktion regionaler Milch- und Käsespezialitäten leisten.

Eine Unterbrechung der Alpperiode könnte sich deshalb nicht nur auf einzelne Betriebe, sondern auf die gesamte Wertschöpfungskette auswirken.

Neben höheren Kosten für die Tierhaltung müssten Landwirte möglicherweise zusätzliches Futter beschaffen oder Tiere früher in die Talbetriebe zurückführen.

Auch die Produktion regionaler Käsesorten könnte unter den außergewöhnlichen Wetterbedingungen leiden.

AgriFribourg koordiniert die Wassertransporte

Die Organisation der Wassertransporte übernimmt der Freiburger Bauernverband AgriFribourg.

Nach Angaben des Verbands werden dort sämtliche Gesuche der betroffenen Alpbewirtschafter gesammelt und koordiniert.

Um eine faire Verteilung der Kosten sicherzustellen, schlägt AgriFribourg vor, sämtliche Betriebe gleichermaßen an den Transportkosten zu beteiligen – unabhängig davon, ob die Flüge durch die Swiss Helicopter AG oder durch die Schweizer Armee durchgeführt werden.

Damit sollen alle landwirtschaftlichen Betriebe nach denselben Kriterien behandelt werden.

Kanton kündigt finanzielle Unterstützung an

Auch der Kanton Freiburg plant, die betroffenen Landwirtschaftsbetriebe finanziell zu entlasten.

Über die genaue Höhe möglicher Unterstützungsbeiträge soll jedoch erst nach Abschluss der Einsätze entschieden werden.

Nach Angaben der Behörden werden dabei die tatsächlich entstandenen Kosten als Grundlage dienen.

Mit dieser Unterstützung möchte der Kanton die außergewöhnlichen Belastungen für die Landwirtschaft teilweise abfedern.

Trockenheit beschäftigt mehrere Regionen der Schweiz

Die aktuelle Situation in Freiburg steht im Zusammenhang mit der anhaltenden Trockenheit, die in diesem Sommer zahlreiche Regionen der Schweiz betrifft.

In mehreren Kantonen wurden bereits Maßnahmen gegen die erhöhte Waldbrandgefahr beschlossen. Dazu zählen Feuerverbote, Einschränkungen beim Abbrennen von Feuerwerk sowie verstärkte Aufrufe zum sparsamen Umgang mit Wasser.

Für die Landwirtschaft stellen die fehlenden Niederschläge eine zusätzliche Belastung dar. Besonders auf höher gelegenen Alpweiden können Wasserquellen während längerer Trockenperioden deutlich weniger Wasser liefern oder vollständig versiegen.

Vor diesem Hintergrund sehen die Freiburger Behörden den geplanten Einsatz der Armee als notwendige Maßnahme an, um die Versorgung der Tiere sicherzustellen und größere wirtschaftliche Schäden für die betroffenen Landwirtschaftsbetriebe möglichst zu vermeiden.