Jedes zehnte Olivenöl „nativ extra“ verfälscht: Untersuchung deckt Qualitätsprobleme auf

Eine umfangreiche Untersuchung des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamts in Stuttgart hat erhebliche Qualitätsprobleme bei Olivenölprodukten aufgedeckt. Im Fokus standen insgesamt 534 Proben, die in den Jahren 2024 und 2025 untersucht wurden.

Besonders im Mittelpunkt standen Öle der höchsten Güteklasse „nativ extra“, die eigentlich für höchste Reinheit und Qualität stehen sollen. Von den untersuchten Produkten gehörten 473 Öle genau dieser Kategorie an.

Das Ergebnis der Analyse ist deutlich: Rund elf Prozent der getesteten Olivenöle wurden als verfälscht eingestuft.

Streckung mit Fremdölen und Zusatzstoffen

Die Untersuchungen zeigen, dass einige Produkte nicht ausschließlich aus Olivenöl bestehen, obwohl sie genau so gekennzeichnet sind.

In mehreren Fällen wurden die Öle mit anderen Pflanzenölen wie raffiniertem oder sogar ranzigem Sonnenblumenöl gestreckt. Zusätzlich kamen offenbar Farb und Aromastoffe zum Einsatz, um Geschmack und Aussehen von hochwertigem Olivenöl zu imitieren.

Diese Praxis täuscht Verbraucher und führt dazu, dass Produkte als hochwertig verkauft werden, obwohl sie nicht den Anforderungen entsprechen.

Zunahme von Problemen in den letzten Jahren

Die Auswertung zeigt zudem eine deutliche Verschlechterung im Vergleich zu früheren Jahren. Während zuvor nur etwa zwei bis drei Prozent der Proben Auffälligkeiten zeigten, stieg der Anteil deutlich an.

Auch die allgemeine Zahl der beanstandeten Produkte ist gestiegen. Insgesamt wiesen 43 Prozent aller untersuchten Olivenöle Mängel bei Qualität oder Kennzeichnung auf.

Im Jahr 2024 lag dieser Wert noch bei etwa 38 Prozent, was einen klaren Anstieg innerhalb eines Jahres bedeutet.

Irreführende Kennzeichnung als großes Problem

Ein erheblicher Teil der Beanstandungen betrifft nicht nur die Zusammensetzung, sondern auch die Kennzeichnung der Produkte.

Viele Produkte wurden als irreführend bewertet, da sie nicht die Eigenschaften erfüllen, die auf dem Etikett angegeben sind. In einigen Fällen handelt es sich dabei nicht zwingend um gestreckte Öle, sondern um Produkte minderer Qualität, die dennoch als „nativ extra“ verkauft werden.

Die Lebensmittelüberwachung kritisiert insbesondere unklare Angaben zu Herkunft, Qualität und Inhaltsstoffen.

Problematische Großverpackungen im Handel

Auffällig ist, dass besonders größere Verpackungseinheiten wie 5 Liter Kanister häufiger betroffen sind. Diese Produkte werden oft über Einzelhandel, Gastronomie oder Online Plattformen verkauft.

Verbraucher gehen dabei häufig davon aus, dass größere Mengen günstiger, aber dennoch gleichwertig in Qualität sind. Die Untersuchung zeigt jedoch, dass gerade diese Produkte häufiger Auffälligkeiten aufweisen.


Verbraucher Tipps beim Kauf von Olivenöl

Experten raten dazu, beim Kauf von Olivenöl genauer auf Qualität und Verpackung zu achten.

Kleinere Flaschen gelten als sicherer, da sie häufiger kontrolliert und schneller verbraucht werden. Auch der Geschmack kann ein Hinweis auf Qualität sein. Hochwertiges Olivenöl schmeckt oft fruchtig, leicht bitter und manchmal auch scharf, was kein Fehler ist, sondern ein Zeichen natürlicher Qualität.

Der Preis allein ist kein verlässlicher Indikator für Qualität.

In unabhängigen Tests wurden verschiedene Produkte bewertet, darunter auch Discounter Öle, die überraschend gut abgeschnitten haben.

Einfluss des Klimawandels auf Preise und Qualität

Ein weiterer Faktor ist der Klimawandel, der in den letzten Jahren zu Ernteausfällen geführt hat. Extreme Wetterbedingungen haben die Produktion in wichtigen Anbauregionen reduziert.

Dadurch ist Olivenöl insgesamt teurer geworden. In einigen Fällen steigt dadurch der wirtschaftliche Druck auf Hersteller, was wiederum zu fragwürdigen Praktiken wie Streckung führen kann.

Wenn Produkte gestreckt werden, sinkt der Anteil reinen Olivenöls, während der Gewinn für Hersteller steigt.

Auswirkungen auf Verbraucher und Markt

Die Ergebnisse der Untersuchung werfen Fragen über die Transparenz im Lebensmittelmarkt auf. Verbraucher verlassen sich darauf, dass Produkte korrekt gekennzeichnet sind, insbesondere bei hochwertigen Lebensmitteln.

Wenn diese Erwartungen nicht erfüllt werden, entsteht ein Vertrauensproblem zwischen Herstellern und Konsumenten.

Die Behörden betonen daher die Wichtigkeit regelmäßiger Kontrollen und strengere Überwachung im Lebensmittelhandel.

Fazit

Die Untersuchung aus Stuttgart zeigt deutlich, dass ein erheblicher Teil der als „nativ extra“ verkauften Olivenöle nicht den Erwartungen entspricht. Sowohl Qualitätsmängel als auch falsche Kennzeichnungen sind weit verbreitet.

Für Verbraucher bedeutet das, beim Kauf bewusster zu wählen und auf seriöse Anbieter sowie kleinere Verpackungen zu achten.