Gallensteine gehören zu den häufigsten Erkrankungen des Verdauungssystems. Millionen Menschen sind betroffen, viele wissen jedoch gar nichts davon. Der Grund: Gallensteine verursachen häufig über Jahre hinweg keine Beschwerden und werden oft nur zufällig bei einer Ultraschalluntersuchung entdeckt.
Erst wenn die Steine die normale Funktion der Gallenblase beeinträchtigen oder einen Gallengang blockieren, treten Beschwerden auf. Diese können von leichten Verdauungsproblemen bis hin zu äußerst schmerzhaften Gallenkoliken reichen.
Experten empfehlen daher, typische Warnzeichen ernst zu nehmen und frühzeitig ärztlichen Rat einzuholen.
Was sind Gallensteine?
Die Gallenblase speichert die von der Leber produzierte Gallenflüssigkeit. Diese spielt eine wichtige Rolle bei der Verdauung von Fetten.
Unter bestimmten Umständen können Bestandteile der Gallenflüssigkeit kristallisieren und sich zu kleinen Steinen entwickeln. Dabei handelt es sich meist um Cholesterinsteine. Seltener entstehen sogenannte Pigmentsteine, die überwiegend aus Bilirubin bestehen.
Die Größe der Steine kann stark variieren. Manche sind nur wenige Millimeter groß, andere erreichen mehrere Zentimeter Durchmesser.
Warum bleiben Gallensteine oft unentdeckt?
Viele Betroffene haben keinerlei Beschwerden. Solange die Steine frei in der Gallenblase liegen und den Abfluss der Gallenflüssigkeit nicht behindern, können sie vollkommen symptomlos bleiben.
Schätzungen zufolge entwickelt nur etwa ein Viertel aller Betroffenen tatsächlich Beschwerden.
Genau deshalb werden Gallensteine häufig erst entdeckt, wenn eine Ultraschalluntersuchung aus anderen Gründen durchgeführt wird.
Erste Warnzeichen für Gallensteine
Die ersten Symptome sind oft unspezifisch und werden daher leicht mit anderen Verdauungsproblemen verwechselt.
Zu den häufigsten frühen Anzeichen gehören:
- Druckgefühl im Oberbauch
- Völlegefühl nach dem Essen
- Blähungen
- Übelkeit
- Verdauungsprobleme nach fettreichen Mahlzeiten
- Unverträglichkeit bestimmter Lebensmittel
Viele Menschen vermuten zunächst einen empfindlichen Magen oder eine Lebensmittelunverträglichkeit.
Dabei können genau diese Beschwerden bereits auf eine gestörte Funktion der Gallenblase hinweisen.
Diese Lebensmittel können Beschwerden auslösen
Besonders häufig treten Symptome nach dem Verzehr schwer verdaulicher Speisen auf.
Dazu zählen unter anderem:
- Fettige Speisen
- Frittiertes Essen
- Alkohol
- Kaffee
- Hülsenfrüchte
- Zwiebeln
- Hart gekochte Eier
Wenn die Gallenblase nicht richtig arbeitet, kann die Fettverdauung beeinträchtigt werden. Dadurch entstehen häufig Beschwerden kurz nach dem Essen.
Typische Schmerzen bei Gallensteinen
Ein besonders wichtiges Warnsignal sind wiederkehrende Schmerzen im rechten Oberbauch.
Diese Beschwerden treten häufig etwa 30 bis 45 Minuten nach einer Mahlzeit auf.
Die Schmerzen können:
- plötzlich beginnen
- krampfartig verlaufen
- zwischen 15 Minuten und mehreren Stunden anhalten
- in Rücken und rechte Schulter ausstrahlen
Viele Betroffene beschreiben die Beschwerden als äußerst intensiv.
Gallenkolik: Wenn Gallensteine gefährlich werden
Von einer Gallenkolik sprechen Ärzte, wenn ein Gallenstein den Gallengang blockiert.
Dadurch entsteht ein starker Druck in der Gallenblase, der extreme Schmerzen verursacht.
Typische Anzeichen einer Gallenkolik sind:
- Starke Oberbauchschmerzen
- Übelkeit
- Erbrechen
- Kaltschweißigkeit
- Unruhe
- Fieber
Eine Gallenkolik gilt als medizinischer Notfall und sollte umgehend ärztlich abgeklärt werden.
Weitere Warnzeichen nicht ignorieren
In einigen Fällen können Gallensteine schwerwiegendere Komplikationen verursachen.
Besonders aufmerksam sollten Betroffene werden, wenn folgende Symptome auftreten:
Gelbfärbung der Haut
Eine Gelbfärbung von Haut oder Augen kann auf einen gestörten Galleabfluss hinweisen.
Verfärbter Urin
Dunkler oder ungewöhnlich heller Urin kann ebenfalls ein Hinweis auf Probleme mit der Gallenblase sein.
Fieber
Tritt zusätzlich Fieber auf, kann bereits eine Entzündung vorliegen.
In solchen Fällen sollte sofort medizinische Hilfe in Anspruch genommen werden.
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Wer hat ein erhöhtes Risiko?
Bestimmte Personengruppen entwickeln deutlich häufiger Gallensteine als andere.
Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen:
Alter
Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko deutlich an.
Weibliches Geschlecht
Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Hormonelle Einflüsse spielen dabei eine wichtige Rolle.
Übergewicht
Starkes Übergewicht erhöht die Cholesterinkonzentration in der Gallenflüssigkeit.
Bewegungsmangel
Ein inaktiver Lebensstil kann die Entstehung von Gallensteinen begünstigen.
Schwangerschaft
Während einer Schwangerschaft verändern sich hormonelle Prozesse, die die Bildung von Gallensteinen fördern können.
Antibabypille
Auch hormonelle Verhütungsmittel können das Risiko erhöhen.
Diabetes
Menschen mit Diabetes entwickeln häufiger Gallensteine.
Radikale Diäten
Schneller Gewichtsverlust kann paradoxerweise ebenfalls zur Bildung von Gallensteinen führen.
Familiäre Veranlagung
Treten Gallensteine gehäuft in der Familie auf, besteht ein erhöhtes Risiko.
Wie werden Gallensteine diagnostiziert?
Die wichtigste Untersuchungsmethode ist die Ultraschalluntersuchung.
Sie ermöglicht es Ärzten, selbst kleine Steine in der Gallenblase zuverlässig zu erkennen.
Zusätzlich können Blutuntersuchungen Hinweise auf Entzündungen oder einen gestörten Galleabfluss liefern.
Bei komplizierten Fällen kommen weitere bildgebende Verfahren zum Einsatz.
Behandlung von Gallensteinen
Nicht jeder Gallenstein muss behandelt werden.
Verursachen die Steine keinerlei Beschwerden, beobachten Ärzte den Verlauf häufig lediglich.
Treten Symptome auf, stehen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung:
Medikamente
Bestimmte Medikamente können kleine Cholesterinsteine auflösen.
Stoßwellentherapie
In einigen Fällen lassen sich Steine durch Stoßwellen zertrümmern.
Operation
Die häufigste Behandlung ist die Entfernung der Gallenblase.
In Deutschland werden jedes Jahr Hunderttausende solcher Eingriffe durchgeführt.
Leben ohne Gallenblase
Viele Menschen sorgen sich vor einer Operation.
Mediziner betonen jedoch, dass ein normales Leben auch ohne Gallenblase problemlos möglich ist.
Die Gallenflüssigkeit wird weiterhin von der Leber produziert und gelangt direkt in den Darm.
Die meisten Patienten können nach der Operation wieder nahezu uneingeschränkt essen und ihren Alltag normal gestalten.
Gallensteine bleiben oft jahrelang unbemerkt. Dennoch sollten wiederkehrende Oberbauchbeschwerden, Verdauungsprobleme oder Schmerzen nach dem Essen nicht ignoriert werden.
Eine frühzeitige Diagnose kann helfen, schwerwiegende Komplikationen wie Gallenkoliken, Entzündungen oder einen Verschluss der Gallengänge zu verhindern.
Wer typische Symptome bemerkt oder mehrere Risikofaktoren aufweist, sollte die Beschwerden ärztlich abklären lassen. Eine Ultraschalluntersuchung liefert meist schnell Klarheit und kann dazu beitragen, spätere gesundheitliche Probleme zu vermeiden.
